im interim

 

Ausstellung im Kunsthaus Wiesbaden

vom 10.9 bis 25.9.2011

 

  Heidi Mayer Fotografie Wiesbadener Fototage September 2011   Heidi Mayer Fotografie Wiesbadener Fototage September 2011   Heidi Mayer Fotografie Wiesbadener Fototage September 2011   Heidi Mayer Fotografie Wiesbadener Fototage September 2011   Heidi Mayer Fotografie Wiesbadener Fototage September 2011  


im Interim

Fotoserie von Heidi Mayer, 2010

 

Ausstattung & Make up

Ala Freyberg

 

 

ein Text von Katja Kobolt

Mit ihrer Fotoserie "im Interim" wagt sich die Münchner Fotografin Heidi Mayer in ein Gebiet voller Spannungen. Die stille Dramatik ergibt sich zum Einen aus den porträtierten, heranwachsenden Kindern auf der Schwelle zum Erwachsensein, zum Anderen durch die Entschlossenheit, teilweise auch Gleichgültigkeit, mit welcher die porträtierten Kinder in die Kamera blicken. Diese Dramatik lässt sich vor allem im Blick des Betrachters verorten, einem in der zeitgenössischen visuellen (Pop)Kultur sozialisierten Blick.

Obwohl wir in der visuellen Popkultur täglich mit hoch sexualisierten Kinderkörpern (Mode, Fernsehen, Boulevardzeitung, Musikindustrie usw.) konfrontiert werden, wirken die von der Fotografin ausgewählten Inszenierungen beinahe unbehaglich.

 

Natürlich spielt die Fotografin in ihren Bildkompositionen und der Auswahl der Porträtierten sowie der unkonventionellen Kleidung auch mit den Konventionen der Modefotografie.

Die auf den Übergangszustand deutende Szenografie: halb kultivierte Naturlandschaft in einer undefinierter Jahreszeit – wird es gleich Blühen oder zu Verwelken beginnen? – gepaart mit einer undefinierten Morgen- oder Abendlichtstimmung.
Die ausgefallene Choreografie: still stehende Körper, wie im Schlaf, oder sogar im Tod.
Die auf unsere Wahrnehmung der kindlichen Sexualität anspielende Kostümografie: haut- und pastellfarbige draperieähnliche Puppenkleider für Mädchen und grau-blau altrömischen Togen ähnliche Röcke für Jungen. Sowie Maske: weiße Gesichter und unbetonte Augen.

 

All das unterstreicht eine Spannung, die in der wahrscheinlich zentralen Frage, die uns diese Fotoarbeit stellt, kulminiert:
Handelt es sich bei unserer Wahrnehmung der (früh)pubertären Subjekte um eine kulturell fabrizierte Emotion, die sich wie eine Fremdbestimmung auf die Körper der (Halb)Kinder/(Halb)Erwachsenen festschreibt? Oder macht es gerade eine solche Inszenierung möglich, dass die Porträtierten so sind, wie sie wirklich sind?

Die farbige, kostümografische sowie sequenzielle Gegenüberstellung der porträtierten Mädchen und Jungen macht noch auf einen weitern kulturellen Konstrukt aufmerksam: Mädchen seien grundlegend anders als Jungen, so wie Frauen grundlegend anders als Männer seien. Gerade in der Pubertät, die mit einem sexuellen Erwachen zusammenfällt, wird die Genderdifferenzierung konsolidiert, werden die Welten anscheinend endgültig getrennt.

 

 

   
IMPRESSUM